SIGS DATACOM Fachinformationen für IT-Professionals

SEACON 2020

software engineering + architecture conference

Hyperion Hotel, Hamburg

Sessiondetails

Vortrag: Fr 2.7
Datum: Fr, 05.06.2020
Uhrzeit: 15:50 - 16:35
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Von der Business Architektur zum Microservice: Nachvollziehbarkeit im Agile Enterprise

Uhrzeit: 15:50 - 16:35
Vortrag: Fr 2.7

 

Viele Unternehmen machen heute die Erfahrung, dass sie auf Marktveränderungen trotz agiler Entwicklung, Skalierung der Agilität und flexibler service-orientierter Lösungen immer noch nicht schnell genug reagieren können. Wie kann mehr Business Agilität erreicht werden? Schlüssel dazu ist die strategische Business Analyse. Es werden leichtgewichtige Techniken für wertgetriebenes Arbeiten auf Strategie-Niveau vorgestellt. Zentrale Artefakte vom strategischen Bedarf bis zur Business-Architektur werden erläutert. Um Änderungen der Strategie schnell umzusetzen, müssen Strategieentscheidungen bis zur implementierten Lösung nachvollziehbar sein. Nachvollziehbarkeit ist eine wichtige Voraussetzung für Business Agilität. Wie sie aussehen kann, wird am Beispiel des Weges vom strategischen Bedarf, über die Geschäftsziele und Epics bis zu User Stories, den Komponenten einer service-orientierten Architektur und ihren Implementierungsdateien demonstriert.

Zielpublikum: Architekten, Projektleiter, Manager, Business Analysten
Voraussetzungen: Fachkenntnisse Agile Methoden, Kenntnisse Service-orientierte Architektur
Schwierigkeitsgrad: Fortgeschritten

Extended Abstract:
Herausforderung Business Agilität:

Wenn Innovationen und disruptive Entwicklungen eine Branche erschüttern, wenn Unternehmen mit dem Tempo der Veränderungen nur noch schwer schritthalten können - spätestens dann wird der Ruf nach mehr Business Agilität laut. Gemeint ist die Fähigkeit von Unternehmen, sich selbst - ihre Strukturen, Kultur & Wertangebote - dynamisch zu verändern, um in einem sich dramatisch wandelnden, zunehmend unsicheren, komplexen und unklaren Geschäftsumfelds relevant zu bleiben, vgl. [1]. Business Agilität bedeutet, Chancen zur Schaffung von Werten und neuartigen Kundenerlebnissen zu erkennen und sie schnell in innovative Geschäftslösungen umzusetzen.

Die agile Softwareentwicklung hat vorgemacht, wie wertgetriebenes anstelle von plangetriebenem Vorgehen funktioniert. Darüber hinaus haben sich in den letzten Jahren Software-Architekturen verbreitet, die auf RESTful Services, Verwendung von Microservices, Einsatz in der Cloud, Kombination mit DevOps, User Interface aus Bausteinen sowie einer Facharchitektur aus Domänen mit loser Kopplung und hoher funktionaler Bindung basieren, siehe z.B. [2]. Diese serviceorientierten Software-Architekturen stehen heute u.a. deshalb hoch im Kurs, weil Services von unabhängigen agilen Teams entwickelt werden können. Sie verkürzen die Bereitstellungszyklen und vereinfachen die Skalierung von Anwendungen. Damit ermöglichen sie es, Anwendungen schnell und flexibel an einen veränderten Bedarf anzupassen.

Aber: Leichte Anpassbarkeit von Anwendungen ist nicht gleichzusetzen mit leichter Anpassbarkeit der Unternehmensstrategie. Das heißt: Agile Softwareentwicklung hat nicht automatisch Business Agilität zur Folge. Und auch die agile Skalierung mit Frameworks wie SAFe®, LeSS oder NEXUS(TM), die heute in vielen Unternehmen auf der Agenda steht, reduziert keineswegs den Bedarf an einer Geschäftsstrategie. Für Business Agilität reicht es außerdem nicht aus, dass Organisationseinheiten außerhalb der IT agile Rituale und Techniken adaptieren.

Der Schlüssel zur Business Agilität ist die strategische Business Analyse auf Unternehmensebene. Sie dient dazu, Veränderungsbedarf bzw. Chancen zur Schaffung neuer Werte zu erkennen und eine Vision der zukünftigen Unternehmenswelt zu entwickeln.
 
Von der Strategie über die Business-Architektur bis zur service-orientierten Software-Architektur:

Der Vortrag geht deshalb zunächst der Frage nach, wie man agile Prinzipien bereits bei der strategischen Business Analyse auf Unternehmensebene anwenden kann.
Es werden leichtgewichtige Techniken vorgestellt, die sich für wertgetriebenes Arbeiten auf Strategie- und Portfolio-Niveau besonders eignen. Dazu zählen u.a. das Business Analysis Canvas (eine Adaption des Business Model Canvas, siehe [3]), Why-What-Balance, Objectives and Key Results (OKR), Goal Modeling, Scope Modeling und Safe-to-Fail-Probes.

Die wichtigsten Artefakte, die auf dem Weg vom strategischen Bedarf zur Business-Architektur entstehen, werden erläutert. Dazu gehören u.a. Business Goals, Business Epics und Enablers. Anschließend geht es um die Fragen: Wie viel Business-Architektur ist überhaupt notwendig? Und sind klassische Modellierungssprachen - speziell UML® und SysML® - in diesem agilen Kontext noch eine Option? Zur Beantwortung wird exemplarisch gezeigt, wie man Block-Diagramme der SysML® so für die Modellierung der Business Architektur konfiguriert, dass sie durchgängig bis zur modellgetriebenen Entwicklung von Anwendungen aus RESTful-Services und Microservices eingesetzt werden können.

Wenn sich die Welt ändert:

Immer wieder tun sich in der Geschäftswelt Chancen für Innovation auf - zum Beispiel durch neue digitale Technologien. Das bedeutet, dass strategische Business Analyse nicht als einmaliger Vorgang verstanden werden darf. Es handelt sich vielmehr um einen sich wiederholenden Prozess. Der Vortrag stellt deshalb die Frage: Was geht man mit wiederholten strategischen Änderungen um?

Um die Auswirkungen von Änderungen vorab bewerten zu können, ist es von zentraler Bedeutung, dass Strategieentscheidungen bis auf das Niveau der implementierten Lösung nachvollzogen werden können. Und auch umgekehrt sollte der Impact von Änderungen der Lösung auf das ursprünglich angestrebte Wertversprechen leicht ermittelbar sein.

Oder anders ausgedrückt: Nachvollziehbarkeit ist in der Praxis eine wesentliche Voraussetzung für die Realisierung von Business Agilität.

Die vorgestellten Artefakte besitzen vielfältige Beziehungen zueinander. Es wird gezeigt, wie diese Beziehungen für die Nachvollziehbarkeit genutzt werden können. Konkret wird an einem Beispiel der Weg vom strategischen Bedarf über Geschäftsziele und Business Epics bis hin zu User Stories, den Komponenten einer serviceorientierten Architektur mit den zugehörigen Implementierungsdateien-Dateien demonstriert.

Fazit:

Viele Unternehmen müssen heute die Erfahrung machen, dass sich trotz agiler Softwareentwicklung, serviceorientierter Architektur und Skalierung der Agilität ihre Fähigkeit, schnell mit Veränderungen des Marktes umzugehen, kaum oder gar nicht verbessert hat. Eine Lösung besteht in der Ausweitung des agilen Mindset auf die strategische Business Analyse. Leichtgewichtige Techniken und Artefakte, die die Nachvollziehbarkeit von strategischen Entscheidung bis zur Lösung möglich machen, stellen einen vielversprechenden Weg zum agilen Enterprise dar.

Quellen:

[1] Angelehnt an: Roger T. Burlton, Ronald G. Ross & John A. Zachman: General Management Imperatives, Business Basis for The Business Agility Manifesto, abgerufen unter busagilitymanifesto.org/management-imperatives [11.03.2019]
[2] Wolfgang Keller: IT-Unternehmensarchitektur, dPunkt-Verlag, 3. Auflage 2017
[3] LN Mishra: Looking for Something Better Than Business Model Canvas?, abgerufen unter www.adaptiveus.com/business-analysis-canvas [21.11.2019]